Dritte Drohne und Hexogen gefunden: Anschlagsplan von Leipzig war offenbar größer als bekannt

Dritte Drohne und Hexogen gefunden: Anschlagsplan von Leipzig war offenbar größer als bekannt


Drei Wochen nach dem Fund der Sprengstoffdrohne in Leipzig verdichtet sich das Bild. Ermittler fanden eine weitere Drohne, rund 50 Gramm Hexogen und mögliche Steuertechnik.

Dritte Drohne und Hexogen gefunden: Anschlagsplan von Leipzig war offenbar größer als bekannt
Bildnachweis: Pixabay

Der mutmaßliche Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle bekommt eine neue Dimension. Als haOlam am 5. August erstmals über die mit militärischem Sprengstoff bestückte Drohne berichtete, war bereits klar, wie knapp der Flughafen einer möglichen Katastrophe entgangen war. Einen Tag später wurde bekannt, dass sich das Fluggerät zeitweise zwischen ukrainischen Antonov-Frachtmaschinen befunden hatte und eine dieser Maschinen Munition geladen hatte.

Jetzt zeigen gemeinsame Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung: Offenbar waren deutlich mehr Komponenten und Fluggeräte an der Operation beteiligt als zunächst bekannt. Ermittler fanden inzwischen eine weitere Drohne, mutmaßlich militärischen Sprengstoff und eine technische Konstruktion, die möglicherweise zur Steuerung eines der Fluggeräte diente. Sicherheitskreise vermuten weiterhin eine Beteiligung russischer Geheimdienste. Bewiesen ist diese Verbindung bislang nicht.

Die erste Drohne war in der Nacht zum 5. August gegen 23.42 Uhr auf dem Gelände des Flughafens entdeckt worden. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen sollte sie offenbar eine ukrainische Antonov angreifen, die für den Transport von Rüstungsgütern eingesetzt wird. Der Sprengsatz detonierte nicht, weil der Zünder offenbar versagte. Damit bestätigt sich rückblickend die Dimension, vor der haOlam bereits unmittelbar nach dem Fund gewarnt hatte: Es ging nicht um einen gewöhnlichen Drohnenverstoß über einem Flughafen, sondern um ein Fluggerät mit Sprengstoff in unmittelbarer Nähe militärisch relevanter ukrainischer Frachtmaschinen.

Kurz nach dem ersten Fund kam es zu einem weiteren gefährlichen Zwischenfall. Wegen der Sperrung des Flughafens musste ein DHL-Frachtflugzeug seine Landung abbrechen. Gegen 00.03 Uhr soll die Maschine in der Nähe des Flughafenzauns mit einem etwa 30 Zentimeter großen Flugobjekt kollidiert sein. Die Piloten hatten es wenige Sekunden zuvor gesehen, auch Radardaten sollen Hinweise auf ein kleines Flugobjekt geliefert haben. Das Flugzeug wurde nach Hannover umgeleitet, wo Ermittler eine Beschädigung am Leitwerk feststellten. Ein Vogelschlag soll als Ursache ausgeschlossen worden sein. Teile dieser mutmaßlich zweiten Drohne wurden bislang nicht eindeutig geborgen.

Dritte Drohne lag zehn Tage später auf einem Feld

Die bislang wichtigste neue Erkenntnis betrifft jedoch ein weiteres Fluggerät. Am frühen Abend des 14. August wurde nach Informationen der Recherchekooperation eine dritte Drohne auf einem Feld im Kabelsketal im Saalekreis entdeckt. Das Gebiet liegt unmittelbar westlich des Flughafens Leipzig/Halle.

Am folgenden Tag sollen Kriminaltechniker dort eine verdächtige Substanz gefunden haben. Nach ersten Untersuchungen könnte es sich um rund 50 Gramm Hexogen, auch RDX genannt, gehandelt haben. Hexogen ist ein hochexplosiver Sprengstoff, der unter anderem in militärischer Munition und Sprengladungen verwendet wird. Eine offizielle Bestätigung der Bundesanwaltschaft zu diesem Fund liegt bislang nicht vor.

Gerade deshalb muss bei der Bewertung sauber getrennt werden: Gesichert ist nach den Medienrecherchen, dass Ermittler eine weitere Drohne fanden und eine Substanz untersuchten, die nach ersten Einschätzungen Hexogen sein könnte. Noch nicht geklärt ist, welche konkrete Funktion diese Drohne hatte, ob der Sprengstoff zu ihr gehörte und wie die verschiedenen Fundstellen miteinander verbunden waren.

Trotzdem verändert der Fund das Gesamtbild erheblich. Schon die erste Drohne war kein improvisiertes Spielzeug, sondern mit PETN und Semtex präpariert worden. Nun kommt möglicherweise ein weiterer militärischer Sprengstoff hinzu. Damit wird die Annahme plausibler, dass hinter dem Vorfall eine vorbereitete Operation mit mehreren Komponenten stand und nicht die isolierte Tat eines einzelnen Drohnenpiloten.

Dazu passt ein weiterer Fund in Kursdorf nördlich des Flughafens. Dort stellten Ermittler nach Angaben von NDR, WDR und SZ eine technische Konstruktion sicher. Eine Antenne und weitere Elektronik waren demnach mit Klebeband an einem Baum befestigt worden. Die Ermittler prüfen, ob diese Technik zur Steuerung einer Drohne gedient haben könnte. Nicht weit davon entfernt wurden verbrannte Erde und Metallteile gefunden. Zeugen hatten bereits am Abend des 4. August gegen 19.20 Uhr einen lauten Knall gehört. Ob dort tatsächlich etwas detonierte, ob es sich um einen Unfall handelte oder möglicherweise Beweismittel vernichtet wurden, ist weiterhin ungeklärt.

Am 11. August wurden bei einer weiteren Suche außerdem ein Drohnenmotor und ein Rotor entdeckt. Damit wächst die Zahl der Spuren rund um den Flughafen beträchtlich.

Verdacht auf ausländisch gesteuerte Sabotage wird ernster

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen inzwischen übernommen, das Bundeskriminalamt arbeitet an der Aufklärung. Bereits unmittelbar nach dem ersten Fund hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von einem möglichen hybriden Anschlagsszenario gesprochen. Sicherheitskreise gehen laut den aktuellen Recherchen inzwischen davon aus, dass russische Geheimdienste an der Planung beteiligt gewesen sein könnten. Russland weist eine Verantwortung zurück, und ein Beweis für eine russische Urheberschaft ist bislang nicht öffentlich vorgelegt worden.

Gerade an diesem Punkt bleibt Zurückhaltung notwendig. haOlam hatte bereits in der ersten Berichterstattung darauf hingewiesen, dass die Vorgeschichte russischer Sabotageoperationen und früherer Paketbrände einen Verdacht begründen kann, aber keinen Beweis für denselben Täterkreis darstellt. Daran hat sich nichts geändert.

Geändert hat sich etwas anderes: Der mögliche Anschlagsplan erscheint heute wesentlich umfangreicher als am 5. August.

Damals war eine mit Sprengstoff bestückte Drohne bekannt. Heute stehen mindestens drei mögliche Fluggeräte beziehungsweise Drohnenspuren im Raum, dazu mehrere unterschiedliche militärisch nutzbare Sprengstoffe, eine mögliche Steueranlage, eine mutmaßliche Detonationsstelle und die Kollision eines Frachtflugzeugs mit einem unbekannten Flugobjekt.

Zugleich gehen die Ermittler inzwischen laut ARD-Recherche davon aus, dass die erste Drohne tatsächlich eine ukrainische Antonov angreifen sollte. Genau diese Maschinen machen Leipzig/Halle zu einem besonders sensiblen Ziel. Der Flughafen ist ein wichtiges europäisches Frachtdrehkreuz und spielt beim Transport von Rüstungsgütern für die Ukraine eine Rolle.

Damit wird auch die Sicherheitsfrage dringlicher, die bereits nach dem ersten Vorfall bestand. Eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne gelangte auf das Gelände eines strategisch bedeutenden Flughafens und wurde erst von einem Mitarbeiter entdeckt. Ein weiteres Flugobjekt kollidierte möglicherweise mit einem Frachtflugzeug. Weitere Drohnen und technische Komponenten wurden erst Tage später bei Suchmaßnahmen gefunden.

Deutschland hatte beim ersten Fluggerät offenbar Glück, weil der Zünder nicht funktionierte. Sollte sich bestätigen, dass mehrere Drohnen Teil einer koordinierten Operation waren, wäre es noch viel weniger vertretbar, das Geschehen als einzelnen Sicherheitsvorfall abzuhaken.

Die Ermittlungen müssen nun klären, wer die Fluggeräte gebaut und gesteuert hat, woher die Sprengstoffe stammten, welche Ziele vorgesehen waren und ob tatsächlich ein ausländischer Geheimdienst hinter der Operation steht.

Schon jetzt ist allerdings klar: Der Vorfall von Leipzig war größer, komplexer und gefährlicher, als selbst unmittelbar nach dem Fund der ersten Sprengstoffdrohne bekannt war.



Autor: Bernd Geiger

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 25. August 2026

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