RTL löscht umstrittenen Raab-Clip nach Vorwurf antisemitischer Stereotype


Ein Fernsehbeitrag über Gil Ofarim sorgt für Empörung. Nach massiver Kritik nimmt der Sender das Segment offline und spricht von möglichen Missverständnissen.

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Ein eigentlich humoristisch gemeinter Einspieler in der RTL-Sendung von Stefan Raab hat in Deutschland eine heftige Debatte ausgelöst. Was als satirische Vorstellung der Teilnehmer des aktuellen Dschungelcamps gedacht war, wurde von vielen Zuschauern und jüdischen Organisationen als geschmacklos und in Teilen antisemitisch wahrgenommen. Nun hat der Sender reagiert und den umstrittenen Clip aus dem Internet entfernt.

Im Mittelpunkt der Kritik steht ein Segment über den Musiker Gil Ofarim. In dem Beitrag war aus dem Off zu hören, Ofarim besitze ein angebliches Betrüger-Gen, das er von einem erfundenen Onkel namens Samuel geerbt habe. Dazu wurden Bilder tanzender ultraorthodoxer Juden eingeblendet, während behauptet wurde, der Sänger feiere Erfolge in der jüdischen Gemeinde. Zusätzlich war in der Sendung ein Gewinnspiel mit dem Titel Geld oder Gil angekündigt worden. All diese Elemente wurden als bewusste Anspielungen auf jahrhundertealte antisemitische Klischees verstanden.

Besonders scharf fiel die Kritik aus, weil der Beitrag ausgerechnet am 27. Januar ausgestrahlt wurde, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Viele Beobachter sahen darin ein Zeichen mangelnder Sensibilität und historischer Verantwortung.

Nach Berichten in verschiedenen Medien und einer Anfrage der Jüdischen Allgemeinen erklärte RTL, den Clip offline zu nehmen. In einer offiziellen Stellungnahme wies der Sender jede Form von Antisemitismus entschieden zurück. Gleichzeitig räumte man ein, dass der Einspieler zu Missverständnissen geführt haben könne. Künftig wolle man noch genauer prüfen, welche Deutungen Inhalte ermöglichen.

RTL betonte, dass sich der Beitrag nicht gegen Juden im Allgemeinen, sondern gegen die Person Gil Ofarim gerichtet habe. Hintergrund sei dessen Rolle in einem bekannten Gerichtsverfahren gewesen. Ofarim hatte vor einigen Jahren öffentlich behauptet, in einem Leipziger Hotel antisemitisch beleidigt worden zu sein. Diese Darstellung wurde später vor Gericht widerlegt. Genau dieses Verhalten habe der Einspieler satirisch überspitzt thematisieren sollen, erklärte der Sender.

Wörtlich heißt es in der Erklärung, man habe sich humoristisch mit Ofarims öffentlichem Auftreten und der medialen Inszenierung seiner Person auseinandersetzen wollen. Im Rahmen der Sendung seien alle Teilnehmer des Dschungelcamps satirisch vorgestellt worden. Dabei seien bewusst überzeichnete, fiktionale und absurde Elemente zum Einsatz gekommen.

Dennoch erkannte RTL an, dass die gewählte Form problematisch war. Man nehme die Kritik sehr ernst und werde in Zukunft sensibler mit solchen Themen umgehen. Die Entscheidung, den Clip aus dem Netz zu entfernen, solle ein deutliches Signal sein.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Ausstrahlung zuvor scharf kritisiert. In sozialen Medien und Kommentaren äußerten zahlreiche Zuschauer Unverständnis darüber, dass im deutschen Fernsehen erneut mit Stereotypen über Juden gespielt wurde. Der Vorfall reiht sich ein in eine Reihe von Debatten darüber, wie weit Satire gehen darf und wo die Grenze zu verletzenden Vorurteilen überschritten wird.

Für RTL bedeutet der Vorfall einen Imageschaden, der weit über ein einzelnes Unterhaltungsformat hinausgeht. Die Diskussion zeigt, wie sensibel der Umgang mit jüdischen Themen in Deutschland bleibt und wie schnell Humor in Diskriminierung umschlagen kann.

Die Affäre macht deutlich, dass Medienhäuser eine besondere Verantwortung tragen, wenn sie mit historischen und gesellschaftlichen Wunden umgehen. Gerade in Zeiten wachsender antisemitischer Vorfälle ist Aufmerksamkeit für Sprache, Bilder und Andeutungen wichtiger denn je.

Ob die Entschuldigung des Senders die Wogen vollständig glätten kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass der Fall ein weiteres Beispiel dafür ist, wie notwendig Sensibilität und Respekt im öffentlichen Diskurs bleiben.



Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: Von Stefan Flöper / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1025239

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 5. Februar 2026

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