Antisemitischer Angriff auf koscheres Café in Leipzig - Kinder skandieren Hassparolen und verletzen Mitarbeiterin
Ein erschütternder Vorfall mitten in Deutschland. In Leipzig griffen Kinder und Jugendliche ein koscheres Café an, riefen volksverhetzende Parolen, warfen gefüllte Flaschen und versuchten, in das Lokal einzudringen. Der Angriff richtet sich nicht gegen ein Geschäft sondern gegen jüdisches Leben.

In Leipzig haben mehrere Kinder und Jugendliche am Mittwoch ein koscheres Café angegriffen und dabei antisemitische Parolen gerufen. Eine Mitarbeiterin des Cafés „Ha Makom“ wurde durch den Wurf gefüllter Plastikflaschen verletzt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Volksverhetzung.
Nach Angaben der Leipziger Polizei entfernten zunächst zwei Kinder eine am Café angebrachte israelische Flagge. Nachdem sie von einer Mitarbeiterin angesprochen wurden, gaben sie die Flagge zurück und entfernten sich. Doch der Vorfall war damit nicht beendet. Kurze Zeit später kehrten die beiden gemeinsam mit sechs weiteren Kindern und Jugendlichen zurück.
Gewalt, Parolen, Einschüchterung
Die Gruppe begann, gefüllte Plastikflaschen gezielt in Richtung der 46-jährigen Mitarbeiterin zu werfen. Sie wurde dabei am Schienbein verletzt. Gleichzeitig äußerten die Angreifer laut Polizei volksverhetzende Parolen. Anschließend versuchten sie offenbar, in das Café einzudringen. Mit einem Aufsteller schlugen sie gegen eine Fensterscheibe des Lokals und verursachten Sachschaden.
Der materielle Schaden beläuft sich zwar „nur“ auf rund hundert Euro. Die eigentliche Dimension des Vorfalls liegt jedoch weit darüber. Es handelt sich um einen gezielten Angriff auf ein jüdisches, koscheres Café - auf einen sichtbaren Ort jüdischen Lebens in Deutschland.
Täter minderjährig, Tat hochproblematisch
Anhand von Videoaufzeichnungen identifizierte die Polizei zwei Tatverdächtige im Alter von zehn und elf Jahren. Beide sind den Behörden bereits als jugendliche Intensivtäter bekannt. Dass Kinder in diesem Alter antisemitische Parolen rufen und gezielt ein jüdisches Café angreifen, ist ein Alarmsignal.
Der Vorfall zeigt, wie tief antisemitische Ressentiments inzwischen selbst bei sehr jungen Tätern verankert sind. Es handelt sich nicht um „Dummheiten“, nicht um „Streiche“, sondern um Hassdelikte mit politischem und ideologischem Hintergrund.
Ein Ort jüdischen Lebens im Visier
Das Café „Ha Makom“ ist Teil des Christlich-sozialen Dienstes TOS Leipzig e.V. und verfügt über eine offiziell anerkannte koschere Zertifizierung. Laut eigener Beschreibung versteht sich das Café als Ort jüdischen Lebens, der Begegnung und der persönlichen Aufarbeitung. Genau dieser Charakter macht den Angriff besonders schwerwiegend.
Wer eine Israelflagge entfernt, antisemitische Parolen ruft und versucht, in ein koscheres Café einzudringen, handelt nicht zufällig. Der Angriff zielte auf jüdische Identität, jüdische Sichtbarkeit und jüdisches Leben.
Kein Einzelfall, sondern ein Muster
Der Vorfall reiht sich ein in eine wachsende Zahl antisemitischer Angriffe in Deutschland. Jüdische Einrichtungen, Symbole und Menschen geraten zunehmend ins Visier - nicht nur von organisierten Extremisten, sondern immer häufiger auch von Jugendlichen und Kindern.
Dass die Täter minderjährig sind, relativiert die Tat nicht. Im Gegenteil. Es verschärft die gesellschaftliche Verantwortung. Antisemitismus wird hier früh erlernt, weitergegeben und offen ausgelebt.
Der Angriff von Leipzig ist kein Randereignis. Er ist ein Warnsignal. Jüdisches Leben in Deutschland steht erneut unter Druck - sichtbar, angreifbar und zu oft allein gelassen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 10. Januar 2026