Deutschland ruft Staatsbürger aus Iran zurück – neues Kapitel im Atomstreit


Berlin warnt Deutsche eindringlich vor Reisen in den Iran und fordert Landsleute auf, das Land sofort zu verlassen. Der Grund: die von Deutschland, Frankreich und Großbritannien eingeleitete Rückkehr zu UN-Sanktionen gegen Teheran – und die Angst vor Vergeltung.

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Die Bundesrepublik Deutschland hat am Donnerstag ihre Staatsbürger zum sofortigen Verlassen des Iran aufgerufen. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte, dass deutsche Interessen und Bürger Ziel iranischer Vergeltungsmaßnahmen werden könnten. Der Schritt folgt nur Stunden, nachdem Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien den sogenannten „Snapback“-Mechanismus in Gang gesetzt hat, um die internationalen Sanktionen gegen das Regime in Teheran wieder vollständig in Kraft zu setzen.

Die Entscheidung markiert einen dramatischen Moment in der Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm. Die „E3“, wie das europäische Trio genannt wird, beschuldigen Teheran, in schwerwiegender Weise gegen das Atomabkommen von 2015 zu verstoßen. Damit greifen sie auf das im Abkommen vorgesehene Verfahren zurück, das es einer Vertragspartei erlaubt, ohne Möglichkeit eines Vetos durch Russland oder China die früheren UN-Sanktionen automatisch wieder einzusetzen.

Das Auswärtige Amt erklärte: „Da Vertreter der iranischen Regierung wiederholt mit Konsequenzen in diesem Fall gedroht haben, kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Interessen und Staatsangehörige betroffen sein werden.“ Zugleich wies Berlin darauf hin, dass die deutsche Botschaft in Teheran nur noch eingeschränkt konsularische Hilfe leisten könne.

Hintergrund der Entscheidung sind nicht nur die fortgesetzten Verstöße Irans gegen das Atomabkommen, sondern auch die Ereignisse der vergangenen Monate. Noch im Juni führten Israel und die Vereinigten Staaten koordinierte Luftangriffe gegen iranische Nuklearanlagen durch. Experten gehen davon aus, dass dadurch das Atomprogramm des Regimes um mindestens zwei Jahre zurückgeworfen wurde. Dennoch beharrt Teheran auf einer kompromisslosen Linie und droht offen mit Reaktionen gegen jene Staaten, die nun Druck aufbauen.

Der „Snapback“ selbst tritt nicht automatisch sofort in Kraft. Es beginnt eine 30-tägige Frist, in der das Regime unter Ajatollah Ali Chamenei die Möglichkeit hat, Zugeständnisse zu machen. Sollte Teheran entweder ein neues Interimsabkommen akzeptieren oder die Gültigkeit des Snapback-Mechanismus über den 18. Oktober hinaus verlängern, könnten die Sanktionen zunächst aufgeschoben werden. Andernfalls greifen die schärfsten UN-Maßnahmen automatisch wieder – einschließlich Waffenembargo, Handelsbeschränkungen und diplomatischer Isolation.

Die Warnung Berlins zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Bereits in den vergangenen Jahren wurden westliche Staatsbürger im Iran immer wieder willkürlich festgenommen und als „Verhandlungsmasse“ benutzt. Die Furcht, dass sich solche Fälle nun häufen könnten, ist real. Frankreich und Großbritannien erwägen ähnliche Warnungen an ihre Bürger.

Für Europa ist dieser Schritt ein riskanter Balanceakt. Einerseits will man verhindern, dass Teheran unbegrenzt Zeit gewinnt, um sein Atomprogramm weiter voranzutreiben. Andererseits fürchtet man eine Eskalation, die nicht nur diplomatisch, sondern auch sicherheitspolitisch unmittelbare Folgen haben könnte. Dass Berlin seine Staatsbürger zurückruft, unterstreicht: Der Konflikt um das iranische Atomprogramm ist an einem neuen, gefährlichen Punkt angelangt.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 29. August 2025

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