Irans Führung wirkt im Krieg zunehmend entkoppelt
Ein Bericht von Iran International wirft neue Fragen über die Kontrolle in Teheran auf. Raketenangriffe auf Israel könnten nach festen Militärprotokollen erfolgt sein, ohne direkte Abstimmung mit Khameneis Büro.

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In Teheran mehren sich Hinweise auf ein gefährliches Führungsproblem. Nach einem Bericht des regimekritischen Senders Iran International sollen die Kommunikationslinien zwischen dem Obersten Führer Mojtaba Khamenei, der Revolutionsgarde und anderen iranischen Stellen seit Sonntagabend gestört sein. Eine mit der aktuellen Zuspitzung vertraute Quelle erklärte demnach, die Raketenstarts auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen könnten nach vorher festgelegten militärischen Protokollen erfolgt sein, ohne dass sie unmittelbar mit Khameneis Büro abgestimmt wurden. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post griff den Bericht am Montag auf. Unabhängig bestätigt sind die Angaben bislang nicht.
Der Vorwurf ist dennoch brisant. Iran hatte am Sonntagabend und Montagmorgen Raketen auf Israel abgefeuert, nachdem Israel Ziele der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Süden Beiruts angegriffen hatte. Nach Angaben internationaler Medien reagierte Israel anschließend mit Angriffen auf militärische Ziele im Iran. Reuters berichtete am Montag, dass beide Seiten nach amerikanischem Druck vorerst eine Pause der gegenseitigen Angriffe angekündigt hätten.
Sollten die Angaben von Iran International zutreffen, würde das ein ernstes Problem im iranischen Machtapparat zeigen. Die Reaktion der Revolutionsgarde auf den israelischen Schlag in Dahiyeh sei laut der Quelle so schnell erfolgt, dass ein normaler Austausch zwischen Khameneis Büro, der IRGCIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen-Führung und dem Militär kaum wahrscheinlich erscheine. Iran International berichtet deshalb von der Möglichkeit, dass vorab festgelegte Einsatzregeln ausgelöst wurden.
Der Bericht passt zu bereits länger bestehenden Fragen über Khameneis tatsächliche Handlungsfähigkeit. Mojtaba Khamenei wurde nach israelischen Angriffen auf Teheran am 28. Februar schwer verletzt und ist seit seiner Machtübernahme im März nicht öffentlich aufgetreten, wie mehrere Berichte zur Lage im Iran festhalten. Statt öffentlicher Auftritte wurden zuletzt schriftliche Erklärungen verlesen, die ihm zugeschrieben werden. Critical Threats schrieb bereits im März, es gebe Indizien, dass Khamenei weiterhin schwer verletzt oder anderweitig handlungsunfähig sein könnte.
Für Israel ist das mehr als eine interne iranische Personalfrage. Wenn in Teheran Befehlswege gestört sind oder die Revolutionsgarde nach eigenen militärischen Automatismen handelt, steigt das Risiko unkontrollierter Konfrontationen. Ein Regime, das Israel mit Raketen bedroht, dessen oberste Führung aber möglicherweise nur eingeschränkt erreichbar ist, wird nicht berechenbarer, sondern gefährlicher.
Genau darin liegt die sicherheitspolitische Bedeutung des Berichts. Iran präsentiert sich nach außen als geschlossene Macht. Doch hinter dieser Fassade könnten Verletzung, Isolation, interne Machtverschiebungen und der wachsende Einfluss der Revolutionsgarde die Entscheidungswege verändern. Für Jerusalem zählt am Ende nicht, welche Fraktion in Teheran einen Angriff auslöst. Entscheidend ist, dass Raketen auf Israel abgefeuert werden und dass Israel darauf reagieren muss.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 9. Juni 2026