Querfront am Brandenburger Tor: Wenn Antisemiten und Populisten gemeinsam marschieren
12.000 Menschen versammelten sich in Berlin, um Israel „Völkermord“ vorzuwerfen – Terror und Geiseln der Hamas wurden verschwiegen. Auf der Bühne: Wagenknecht, Hallervorden, Rapper Massiv – und das Feigenblatt Peter Maffay, das sich im letzten Moment zurückzog. Eine gefährliche Allianz aus Populismus, Relativierung und Hass.

Berlin hat schon viele Demonstrationen gesehen. Doch die Kundgebung am Brandenburger Tor, zu der rund 12.000 Menschen kamen, war mehr als nur ein politisches Signal. Sie war ein Schauspiel, das die alten Muster antisemitischer Rhetorik ins Zentrum rückte – getarnt unter Friedensflaggen und Regenbogenbannern. Der offizielle Titel lautete „Stoppt den Völkermord in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“. Schon dieser Aufruf entlarvt, wie einseitig das Bild gezeichnet wurde: Die Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen am 7. Oktober, die systematische Geiselnahme und der tägliche Raketenbeschuss auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen tauchten in den Reden nicht auf.
Stattdessen führten drei Figuren die Bühne an, deren gemeinsamer Nenner weniger „Frieden“ als die Dämonisierung Israels ist: die linkspopulistische Politikerin Sahra Wagenknecht, der 90-jährige Komiker Dieter Hallervorden und der Berliner Rapper Massiv. Ihnen schlossen sich weitere Prominente an – darunter Ex-Pink-Floyd-Bassist Roger Waters per Liveschaltung –, die schon seit Jahren mit antiisraelischen Provokationen Schlagzeilen machen.
Wagenknecht spricht inzwischen unverblümt von einem „Vernichtungsfeldzug Israels“. Der Zentralrat der Juden warnte zuletzt, ihre „populistische Positionierung befeuere IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen in Deutschland“. Dass sie dennoch Schulter an Schulter mit Massiv auftritt, einem Musiker, der 2021 Israel mit dem Warschauer Ghetto gleichsetzte und antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitete, zeigt, wie brüchig ihre Beteuerungen sind, sie würde sich nie mit Israel-Leugnern zusammentun.
Hallervorden wiederum rezitierte schon 2024 ein Gedicht, in dem er Israel „Apartheid“ und „Völkermord“ vorwarf. Nun stellte er sich erneut vor ein Publikum, das in Sprechchören „Free Palestine“ rief – ein Slogan, der von Gruppen genutzt wird, die Israels ExistenzrechtExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen leugnen. Dass ein Komiker, der einst für harmlosen Klamauk stand, sich nun zum Sprachrohr von Querfront-Demagogen macht, ist nicht nur traurig, sondern politisch gefährlich.
Roger Waters, zugeschaltet aus der Ferne, lieferte erwartbar: Er nannte den ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen ein „Verbrechen“, wiederholte alte Muster und garnierte sie mit russischer PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen. Schon 2023 stand er in Berlin in SS-ähnlichem Outfit auf der Bühne, die Staatsanwaltschaft ermittelte damals wegen VolksverhetzungVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen. Dass er nun als moralische Autorität hofiert wird, ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die den AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen der Gegenwart ernst nehmen.
Inmitten dieser Allianz tauchte auch der Name Peter Maffay auf – sein Kopf prangte auf Flyern. Doch der Sänger, der sich in der Vergangenheit auch mit israelischen Künstlern für Verständigung einsetzte, distanzierte sich umgehend: Er sei nie für einen Auftritt eingeplant gewesen. Damit zog er sich noch rechtzeitig zurück. Aber schon die Tatsache, dass er als Aushängeschild dienen sollte, zeigt die Taktik der Organisatoren: Prominente als Feigenblatt für eine Demo, die Israel kriminalisiert und den Terror der Hamas verschweigt.
Denn genau das ist der Kern: Diese Demonstration war kein Friedensfest. Sie war eine Bühne für eine Allianz aus Populisten, Querfront-Aktivisten, Verschwörungsideologen und Israelhassern, die ihre Narrative im Gewand der „Menschenrechte“ präsentieren. Wer Israel „Völkermord“ vorwirft, während er den 7. Oktober relativiert, dreht Täter und Opfer um. Das ist nicht Kritik, sondern alte antisemitische Tradition in neuem Gewand.
Die Gegenkundgebung, eine kleine pro-israelische Versammlung mit etwa 100 Menschen, zeigte das Missverhältnis: Hier 12.000, dort 100. Hier große Namen, dort Zivilcourage ohne prominente Unterstützung. Und doch war die moralische Klarheit eindeutig auf der kleineren Seite.
Die Demonstration am Brandenburger Tor führt vor Augen, wie tief antisemitische Narrative inzwischen in die Mitte der Gesellschaft eingesickert sind. Wenn ein Rapper, eine Politikerin und ein Komiker gemeinsam Israel dämonisieren, wenn Applaus ertönt für den Ruf „Free Palestine“, während die Hamas-Geiseln vergessen bleiben – dann ist das kein Ruf nach Frieden. Es ist die alte Geschichte vom „bösen Juden“, neu verpackt für eine deutsche Hauptstadt, die es besser wissen müsste.
Wer wirklich Frieden will, muss den Mut haben, Terror als Terror zu benennen – und Israel nicht zum Täter zu erklären. Alles andere ist eine gefährliche Illusion, die am Brandenburger Tor zu einem fragwürdigen Volksfest wurde.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 14. September 2025